Rechtssystem
Die Basis für das Rechtssystem Brasiliens bildet die brasilianische Verfassung von 1988. Doch seitdem sind bereits einige Bereiche erweitert und neu gefasst worden. Das Zivilgesetzbuch etwa stammt erst aus dem Jahr 2002. In groben Zügen stand dafür unter anderem das Bürgerliche Gesetzbuch der Bundesrepublik Deutschland (BGB) Pate.
Das brasilianische Rechtssystem ist in diesem Sinne zum großen Teil sehr modern. Das Niveau darin im Bezug auf Datenschutz und Abhörbefugnisse zum Beispiel ist sehr hoch und aktuell. Ein Problemfall aber ist oft die Durchsetzung des Rechts in dem südamerikanischen Land.
Zahlen und Fakten zum Rechtssystem Brasiliens
15.000 Richter und Staatsanwälte sorgen in Brasilien für Rechtsprechung und Strafverfolgung. Die juristische Vertretung von Firmen und Privatpersonen übernehmen über 200.000 eingetragene Rechtsanwälte. Diese müssen sich jährlich mit mehreren Millionen Zivil- und Strafgerichtsverfahren befassen. Wer in Brasilien zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wird landet in einer von 2.500 Hafteinrichtungen. Dort sitzen derzeit rund 60.000 Häftlinge ein.
Die Durchsetzung des Rechts
Nicht überall in Brasilien ist die Rechtsordnung präsent. Ausgenommen sind vor allem die kaum erschlossenen Urwälder des Amazonas, aber de facto auch die durch lokale Banden kontrollierten Elendsviertel (Favelas) der Großstädte wie Rio de Janeiro der Sao Paolo. Hier herrschen eigene Gesetze, was gravierende Konsequenzen für die Sicherheit im Land hat. Bandenkriminalität ist sicher eines der größten Probleme, mit denen Brasilien konfrontiert ist. Die brasilianische Unterschicht - nicht nur, aber besonders in den Favelas - hat kaum Zugang zu Rechtsmitteln - vor allem wegen der hohen Verfahrenskosten.
Generell ist die brasilianische Justiz geprägt von Langsamkeit und hohen Kosten. Dies sind wesentliche Gründe, warum das offizielle Recht immer wieder umgangen wird und es im Extremfall zur Selbstjustiz kommt. Das heißt, die private Rechtsdurchsetzung ist in allen Bereichen an der Tagesordnung. Eine große Rolle spielt in diesem Zusammenhang der „Jeito" - der Einsatz von persönlichen und politischen Beziehungen oder von Schmiergeld zur Lösung eines Problems.
International ist die Justiz Brasiliens gut integriert, so besteht etwa mit Deutschland ein Auslieferungsabkommen.
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