Gesellschaft
Die brasilianische Gesellschaft setzt sich zusammen aus extrem unterschiedlichen sozialen, ethnischen, kulturellen und religiösen Gruppen. Die Vielfalt reicht von der schon als international zu bezeichnenden Oberschicht, die sich insbesondere in und um Rio de Janeiro herum konzentriert, über die kleinbürgerlichen Einwandererkolonien im Süden von Brasilien, bis hin zu den im unberührten Urwald lebenden Indianerstämmen im Amazonasgebiet.
In keinem anderen südamerikanischen Land ist die Kluft zwischen Arm und Reich so groß und erkennbar wie in Brasilien. Auf der einen Seite gibt es die traditionell reichen Großgrundbesitzer, auf der anderen Seite die armen Landarbeiter. Die Ärmsten der Armen in der brasilianischen Gesellschaft aber sind die Slumbewohner in den Randgebieten der großen Städte, den Favelas.
Armut mit historischen Wurzeln
Die heutige Gesellschaft Brasiliens, ihre Struktur und die großen sozialen Unterschiede gehen zurück auf und haben ihren Ursprung in der Lebensform der Fazendas. Dieses Feudalsystem, das die Arbeit von Sklaven als integralen Bestandteil enthielt, beeinflusst die Gesellschaft und auch die Politik in Brasilien bis auf den heutigen Tag. Bislang ist es nicht gelungen die gesellschaftlichen und menschlichen Schäden zu beseitigen, die die Sklaverei in Brasilien hinterlassen hat. Der krasse Gegensatz zwischen Arm und Reich, die Slums und die zum Teil hohe Kriminalitätsrate sind einige der sichtbarsten Auswirkungen.
Das Sozialsystem in Brasilien ist nur wenig ausgebaut. Nur wenige Rentner können von ihrem Altersgeld leben. Es ist in der Gesellschaft Brasiliens immer noch so, dass die älteren Menschen auf die finanzielle Hilfe ihrer Kinder angewiesen sind. Gleiches gilt bei Arbeitslosigkeit oder Invalidität. Eine private Krankenversicherung können sich nur diejenigen leisten, die eine gute Anstellung haben.
Religion und Homosexualität in der brasilianischen Gesellschaft
Die Religion hat in weiten Teilen der Gesellschaft Brasiliens eine große Bedeutung. Immerhin gehören mehr als 70 Prozent der Brasilianer der römisch-katholischen Kirche an. Dabei sind Teile des brasilianischen Katholizismus stark von afrobrasilianischen Traditionen beeinflusst. Protestanten stellen in der brasilianischen Gesellschaft die zweigrößte Konfessionsgruppe.
Dennoch wird in Brasilien Homosexualität schon seit 1823 nicht mehr juristisch verfolgt. In mehreren der Bundesstaaten existieren Antidiskriminierungsgesetze und auch gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften werden in einigen der Bundesstaaten Brasiliens anerkannt.
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